Männlichkeit
Liebe Leute! Hier und heute biete ich euren Ohren eine außergewöhnliche Folge dar. Ich ziehe ihre Publikation vor, obschon sie sich einreiht in eine Reihe von Folgen, die ich in den letzten Wochen aufnahm und die sich mit dem Ukraine-Krieg und dem Buch über ihn von Professor Lothar Schröter befassen. Auch auf die Broschüre »100 Jahre Faschismusdebatte« von Ekkehard Lieberam nehme ich in dieser vorliegenden Folge Bezug, weil sie in einigen anderen vorangegangenen, aber noch unpublizierten Folgen bereits erwähnt wurde.
Ich frage mich immer, ob ich nicht genug gebe, insbesondere was meine Schriftpublikationen anbelangt, und ob es nicht schon viel mehr hätte sein müssen. Darum also nahm ich mir eine Pause zumindest vom Publizieren der weiterhin regelmäßig aufgenommenen Folgen. Doch heute ist es wieder soweit und eine neue Folge soll heraus. Denn einerseits habe ich auch Lust zu schreiben, und dieser Begleittext zur Folge ist doch auch eine formidable Leistung, wer könnte sagen, was ein Text leisten kann, soll oder muss? Und wie wäre die Werthaltigkeit dieses Schriftstücks im Kontext all meiner Folgen dann zu verorten?
Doch genug der philosophischen Fragen.
Ein weiterer Grund für die Dringlichkeit der Publikation ist, dass ich euch, geneigte Hörer, auf einen neuen Podcast hinweisen will, den ich gestartet habe: arbeiterpodcast.podigee.io.
In ihm will ich fortan meine rein deutschen Podcasts publizieren und somit die Kanäle wieder ein Stück weit sauberer auftrennen und voneinander abscheiden. Dieser Podcast hier, Mesita, cubrite, soll wieder dem Spanischen vorbehalten sein und sich ihm verschreiben, eventuell im Zusammenklang mit dem Englischen. Was ich mit dreisprachigen Folgen mache, wäre noch zu entscheiden, vielleicht starte ich einen dritten Podcast für die englischen und dreisprachigen Folgen, aber das ist nicht so wichtig im Moment.
Ich wollte also diese Folge hier als letzte auf diesem Podcastkanal rausbringen und euch warnen und darauf hinweisen, dass es hier zukünftig keine deutschen Episoden mehr zu hören geben wird, sondern nur noch auf arbeiterpodcast.podigee.io.
Und noch einen Grund kann ich vorweisen, der für speziell diese und keine andere Folge spricht, um sie herauszubringen, vorzuziehen und damit den temporären Ablauf etwas durcheinanderzuwirbeln: in ihr sprach ich über die Männlichkeit, ein sensibles Thema, wie mir im Nachgang bewusst wurde. Denn in den letzten Tagen wies ich meine Kollegen auf eine anstehende DKP-Veranstaltung mit Prof. Schröter hin (Samstag, 5. Oktober, 16 Uhr, Linkes Zentrum Lilo Herrmann, Böblingerstr. 106, Stuttgart), wobei sich einige hochinteressante Gespräche ergaben. Vor allem eines davon mit einem von mir sehr geschätzten Kollegen blieb mir haften, da er den Begriff der Sensibilität ins Spiel brachte und darauf hinwies, wie sensibel es sei, sich in der derzeitigen politischen Gemengelage zu Wort zu melden. Seine Bedenken, wie wir Kommunisten denn den Vorwurf zerstreuen könnten, nur Undercover-Agenten Moskaus zu sein, konnte ich nur positiv ummünzen, dass wir nämlich vor genau diesem Vorwurf keine Angst haben müssen und ihn als unbegründet von uns abperlen lassen, da er nur die Unfähigkeit des ihn Äußernden markiert, sich objektiver Termini zu bedienen, um die Geschehnisse in der Ukraine und die Verbandelung der Kriegshandlungen mit dem Handeln unserer eigenen deutschen Politiker zu analysieren. Dies passt notwendig zu einer Kriegsgesellschaft, die wenn auch bisher noch sanft zu einer militaristischen Republik umgebaut wird, die wieder fähig sein soll, Kriege zu führen — und schon die jetzige indirekte Kriegsführung über die Finanzierung und Ausbildung der ukrainischen Armee wird ja hierzulande normalisiert. Gegen diese mediale Formatierung, Ideologisierung oder wie man es auch nennen mag, der Einschärfung des Prinzips, Deutscher oder Deutsche zu sein und diesen Fakt an oberste Stelle des eigenen Selbstverständnis und der Lebensplanung oder Abmessung von Erfolg oder Misserfolg zu stellen.
Worum es letztlich geht bei dieser erwähnten Sensibilität, ist die Tatsache, dass wir in bürgerlichen, imperialistischen Gesellschaften alle erschöpft sind von den Zumutungen des Lohnarbeitssystems und daher entsprechend den individualistisch zugeschnittenen Bespaßungsangeboten uns als Entspannung und Ablenkung vom Alltag mit den weltpolitischen Geschehnissen beschäftigen. Nur haben diese liberalen Unterhaltungsangebote, die eben so entstehen durch das Obwalten des freien Marktes, nur noch wenig mit der Realität zu tun und einer objektiven Analyse geschichtlicher Abläufe, sondern es setzen sich in jedem Land die Interessen der jeweils Mächtigen, der herrschenden Klasse, wie wir Marxisten zu sagen pflegen, durch.
Denn die Unterhaltungsangebote sind ihrerseits auf ökonomische Grundierung angewiesen und wollen finanziert werden, was sich eben nur ein Mitglied der herrschenden Monopolkapitalistenklasse leisten kann. Welches es ist, wer den Auftrag wozu gibt oder welche Anteile hält, ist in der heutigen Welt der gestreuten Fonds und undurchsichtiger Firmenkonglomerate oder wahrer Imperien kaum noch von Belang. Nichtsdestotrotz existiert die Klasse, die das Monopolkapital vertritt und die Entscheidungen werden zu ihren Gunsten gefällt.
Und da gab es jetzt diese grundlgende Entscheidung, sich eng an die USA zu knüpfen und an ihre weltpolitische Agenda, sowie natürlich an die weiteren Verbündeten imperialistischen Staaten. Und speziell eben sich auf die Befeuerung und Kreierung des ganzen Ukrainekriegs seit 2014 und durch völkerrechtswidrige Einmischungen in ein fremdes Land schon 2004 einzulassen und diese Zuspitzung und Eskalation, die im illegalen Regimesturz 2014 mündete und in dem tragischen Beginn des Kriegs in der Ostukraine.
Hier meine ich nur, so verständlich es sein mag, dass wir alle nur rumdaddeln wollen nach der Arbeit und Politik gerne generell und kategorisch im Modus der Ironie genießen, aber hier kommt langsam der Punkt, an dem es brenzlig werden kann auch für jeden einzelnen von uns und man sich die Frage stellen sollte, was man tun würde, sollte einem mal selbst ein Einberufungsbefehl ins Haus flattern, so wie es ja heute so zahlreich in der Ukraine und in Russland geschieht.
Dieser Krieg wäre ohne die deutschen und sonstigen NATO-Waffenlieferungen längst zu Ende. Kein Ukrainer hat ein objektives Interesse an der Aufrechterhaltung des jetzigen schwer korrupten, oligarchischen und teils faschistisch verseuchten Regimes in Kiew. Natürlich werden viele Ukrainer subjektiv so manipuliert durch die mächtigen Armeen der Medienkanäle und die Propagandafülle, sodass sie gern für ihr Land kämpfen und sterben. Aber zumindest hier in Deutschland, wo man es im Unterschied zur Ukraine noch so ausdrücken kann, gleichwohl der Umbau der Gesellschaft zur Kriegsgesellschaft hin unübersehbar ist und von den Herrschenden unumkehrbar gemacht werden soll, zumindest hier sollte man dann auch in brachialeren Tonarten als sonstig gewohnt die Leute aufschrecken und darauf hinweisen, dass es vor allem ihr eigenes Regime ist, welches den Fortgang des Kämpfens befeuert und sie selbst also aufgefordert wären, zu kämpfen und Widerstand zu leisten, wenn sie an der verfahrenen, mörderischen Kriegssituation etwas ändern wollen.
Denn wenn es so weit kommt und wir in der Situation wie die Ukrainer heute sind, wird es zu spät sein. Darum darf man also keine Angst haben, als Putinversteher betitelt zu werden; die Angst vor dem Fremden, heute personifiziert in Russland und China, zeigt ohnehin nur die tief rassistische, chauvinistisch-faschistische Prägung der deutschen Gesellschaftsideologie, insofern ist es begrüßenswert, wenn deren Propagandisten sich selbst mittels eines solchen selbstentlarvenden Terminus bloßstellen und ihre geistige Unbelecktheit akkreditieren.
Auch meine kommunistischen Genossen müssen das noch viel besser verstehen, da ich an ihnen oft eine Angst beobachte, von den Leuten auf der Straße ausgelacht oder belächelt zu werden, dabei sollte es doch genau das sein, was wir wollen, irgendeine Reaktion hervorrufen, wenn es eine emotionale ist, umso schöner.
Jedenfalls ist es ein schwieriges Themenfeld mit der Sensibilität — wir dürfen sie nicht mit Sanftheit verwechseln, denn das ist gerade die Strategie und Ideologie der Regierung, die sie unter anderem im Internet unter dem Deckmantel der Höflichkeit vertritt, um die Gesellschaft eben umzubauen und Widerspruch von vornherein zu unterbinden, da er, wie Widerspruch das nun mal zu tun pflegt, im Gewande der Unhöflichkeit oder zumindest Barschheit oder des Polterns daherkommt. Das ist dann eben Hassrede und somit verboten, eins zu null für die Regierung.
Nein, so zahm und zögerlich dürfen wir nicht sein in unserem Auseinanderetzen und Darlegen der politischen Gegebenheiten und unserer darauf aufbauenden Pläne.
Aber wir müssen die Leute schon ernst nehmen in dieser Sensibilität, in dem Sinne, wie wir ja alle recht lasch und luschig gebildet und erzogen werden und uns deshalb nie wirklich aus der Deckung trauen. Bei so einer diffizilen Aufgabe wie dem Herüberziehen von einzelnen Arbeitern in unsere kommunistische Weltbewegung darf es uns also nicht wundern, wenn wir nicht gleich auf Gegenliebe stoßen, da es eben viel Mut erfordert, sich vom Weg der Herde, der Mehrheit, der als der allein vernünftige dargestellt wird, abzusondern und die imperialistischen Grundprinzipien infrage zu stellen. Aber viele der ressentimentgeladenen Gegenreaktionen der Arbeiter sind auch nur ein erster Reflex und ich denke, wir dürfen uns davon nicht beirren lassen. Es wird zu sonor und ehrwürdig über solche Themen wie Faschismus geredet in der deutschen Öffentlichkeit, was dann nur die Kehrseite zum vulgären, zynischen Sprechen der Nazis oder verkappten Nazisympathisanten im privaten Stübchen ist. Und gerade diese Ehrwürdigkeit soll uns einschüchtern und vor allem uns Kommunisten die Gelassenheit und das Zutrauen zu nehmen, solche Themen sachgerecht auch in lockerem, für die Volksmassen ansprechenden Ton zu behandeln. Aber es geht eben doch und genau das versuche ich hier, wie ich in einer der übrigen Folgen sagen werde bzw. sagte: ich will über den Faschismus (und über Deutschland) lachen.
Noch eine kleine Anmerkung: »Eine Armee von Liebhabern wäre unschlagbar«, so philosophierte schon Platon. Und im Anschluss an diesen fabelhaften Gedanken des griechischen Denkmeisters reiht sich auch meine Aussage zur Wünschbarkeit von Frauen in den (einst zu errichtenden, sozialistischen) Armeen ein. Aber auch heute gibt es ja bereits fortgeschrittene bürgerliche Länder wie Israel, die lobenswerterweise die Frauen verstärkt auch ins Militär einreihen, gleichwohl die Quote dort zwar weltweit mit am Höchsten ist, aber auch nur bei etwa 30%.
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